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- 09 Okt 2009
kultur
Die Gotthardregion umfasst drei Kultur- und Sprachzonen, verteilt auf die vier Gotthardkantone: die italienische, die deutsche und die rätoromanische.
Auch wenn die Bevölkerung der vier Anrainerkantone des Massivs stark von der alpinen Kultur geprägt ist, so hat sie dennoch eigenständige Traditionen und Bräuche entwickelt. Zwischen den vier Gemeinschaften bestand im Laufe der Jahrhunderte stets eine gewisse Durchlässigkeit, namentlich dank der Alpenpässe Gotthard, Lukmanier, Oberalp, Furka und Nufenen.
Grosse Teile des Gebiets standen unter dem Einfluss der Walser (Obergoms, Urseren, Surselva), einem ursprünglich germanischen Volksstamm, der ab dem 13. Jh aus dem Oberwallis in andere Alpenregionen der Schweiz, Italiens und Österreichs auswanderte. Mögliche Erklärungen für die Auswanderung der Walser sind einerseits ein Bevölkerungsüberschuss im Oberwallis, der zu einem Mangel an Weideplätzen und Kulturlandschaft führte, und andererseits günstige klimatische Voraussetzungen (eine Wärmewelle im Mittelalter), eine gute Voraussetzung für die Fortbewegung der Menschen (die Alpenpässe waren mehrere Monate im Jahr querbar) und für die Gründung neuer Siedlungen in hohen Lagen. Dazu kam, dass den Walsern von Seiten der Gebietshoheiten der „kolonisierten“ Territorien verschiedene Sonderprivilegien erteilt wurden (sowohl persönliche als auch fiskalische).
Die Walser lebten vornehmlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Siedler brachten ihre angestammte Sprache mit – einen altertümlichen höchstalemannischen Dialekt – sowie ihre Architektur, von der es noch immer zahlreiche Zeugnisse gibt, sowie innovative Bautechniken. Ihnen ist wahrscheinlich der Bau der ersten Brücke über die Schöllenenschlucht zuzuschreiben, die in der Folge den Namen „Teufelsbrücke“ erhielt.
Aufgrund der massiven und rapiden sozioökonomischen Umwälzungen ab Mitte des 19. Jh, der Abwanderung der Bevölkerung in die Städte, des Aufkommens neuer Berufe, des Tourismus’ und der wachsenden Mobilität ist der über Jahrhunderte andauernde einzigartige Lebensstil in dieser Region inzwischen fast ganz ausgestorben.
